Das Mieder zu nähen ist eine echte Herausforderung - dachte ich. Tatsächlich ist es der einfachste Part! Benötig werden:
- Oberstoff, z.B. schwarzer Baumwoll-Satin, aber Seide macht sich auch gut. Ca. 1m
- Mittelschwerer Leinenstoff, ca. 3m. Man braucht vier Lagen davon! Alternativ gehen auch zwei Lagen Leinen und eine Lage Moleskin.
- Futterstoff, ca. 1m
- Peddigrohr, Stärke 2mm. Kann man z.B. hier bestellen. Ich habe 250gr bestellt, aber eigentlich braucht man nur ein paar... Würste? Stränge? Stängel? Stiele? Whatever. Für ein Seitenteil gehen drei Halme drauf.
- Schrägband
- Miederhaken (6 paare), Rockhaken und natürlich eine Kette, Länge mindestens 2m.Diese Sachen kann man bei Dawanda finden. Ich habe billige Miederhaken für ca. 2€/Stück bekommen, und werde irgendwann, wenn ich mal Vollzeit arbeite, richtige aus Silber kaufen. Genau das ist das Schöne an Trachten: man kann billig anfangen und dann nach und nach upgraden.
- Ein scharfes, spitzes Messer. Meins ist von Mora, findet man unter Hobby and Woodcarving. Die Spitze ist wichtig.
- Holzleim, 250gr wasserfest.
- Frischhaltefolie und was zum Unterlegen
Zuerst: sämtliches Material im Internet sichten, und dann ein Schnittmuster zeichnen. Alle Teile ausschneiden, 1x Oberstoff, 1x Futter und 4x Leinen. Dann näht man drei Lagen Leinen und den Oberstoff mit langen Stichen von Hand zusammen, damit nichts verrutscht. Ich habe das Muster mit Kulli direkt auf die dritte Lage Leinen gezeichnet, aber wer es gerne genau mag, sollte das Muster lieber auf Brotzeitpapier zeichnen und das mit annähen. Nacher kann man das dann rauspopeln.
Früher, als die meisten Familien ihre Kleidung selbst nähen mussten, war es natürlich wichtig, dass alles perfekt war. Die Kleidung wurde viel benutzt, war wertvoll und musste lange halten, und war vorallem auch ein Statussymbol, durch das Frau ihren Wert auf dem Heiratsmarkt steigern konnte. Deshalb finde ich es nicht so wichtig, heutzutage alles so genau zu machen. Das ist ein Projekt von dem ich vorallem viel lerne, und die Perfektion steht im Hintergrund. Wenn ich Perfektion wollte, würde ich von jemandem bestellen, der zum Verkauf produziert, aber solange es "nur" für mich selbst ist, soll man sehen, dass es handgemacht ist!
Hier ist also das Muster aufgezeichnet und nachgenäht (abstand max. 5mm). Dann habe ich die oberste Lage mit dem Messer angeritzt, das Peddigrohr reingesteckt und mit dem Messer abgeknipst. Dabei schrumpft das Teil etwas, aber das macht nichts.
Nächster Schritt: ordentlich Kleber druff
Wenn man sich etwas Frischhaltefolie um den Finger wickelt, kann man die Schmotze gut verteilen und in die Ritzen schmieren. Beim Kleben darauf achten, dass man nur so eine grosse Fläche klebt, wie man zeitlich schafft. Hätte ich das ganze Rückenteil auf einmal geklebt, wäre die eine Seite schon eingetrocknet, bevor ich die andere bestrichen hätte.
Und dann die vierte Lage Leinen draufdrücken. Die linke Seite habe ich ein paar Tage vorher geklebt, und ist daher schon trocken. Pro-Tipp: Ein Handtuch unterlegen, Socken ausziehen und auf dem Projekt ein paar Tanzschritte üben. Die Füsse drücken den Stoff nämlich schön an, auch in den kleinen Zwischenräumen. Man könnte natürlich auch ein Telefonbuch drauflegen, allerdings kommt das nicht in die Ritzen rein, und ist auch leichter als man selbst.
Der Holzleim versteift das ganze Ding, wenn es trocken ist, ist es hart wie ein Brett. Das Peddigrohr bricht nicht so schnell, und man kann mal mit einem feuchten Lappen drübergehen oder ein paar Regentropfen abbekommen. Früher hat man wohl Mehlkleister verwendet, aber das war natürlich nicht wasserfest und ein gefundenes Fressen für diverse kleine Tierchen.
Alles in allem geht es superschnell, ein Mieder zu nähen, nix mit über 100 Arbeitsstuden. Am längsten dauert es, das Muster nachzunähen, und das Peddigrohr ist ne Sache von wenigen Minuten.
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