Du weisst, dass deine Hochzeit ein Desaster war, wenn die Leute 300 Jahre danach immer noch davon reden.
Wenn keine Besucher kommen, schnappe ich mir ein buch und lese was. Heute war es ein Buch über Kirchengeschichte in Vest-Telemark, was sehr interessant und irgendwie schockierend war.
Früher war alles etwas brutaler, und zu einer richtigen Hochzeit haben Messerstechereien einfach dazugehört. Manchmal sind die Leute aber auch anders gestorben. 1590 hatte Rauland einen Pfarrer aus Dänemark. Und als er die Kirche für eine Hochzeit klar gemacht hat, hat er auf der Türschwelle eine Schnapsleiche (oder einen Ertrunkenen, das geht nicht ganz eindeutig aus dem Text hervor...) gefunden. In Dänemark hat man sich damals erzählt, dass es helfe, frisches Urin zu trinken. Also hat der Pfarrer seinen Schwengel ausgepackt und dem armen Kerl direkt in den Mund gestrullert. In dem Moment ist die Hochzeitsgesellschaft um die Ecke gekommen, und da diese die dänischen Bräuche natürlich nicht kannten, wurde der Pfarrer auf der Stelle gelyncht.
Damals sind im Umfeld eines Pfarrers viele Leute gestorben. Ein paar Jahre früher und ein paar kilometer weiter östlich hat ein Pfarrer einen Bauern umgebracht, nachdem er diesem fast sein ganzes Land abgenommen hat. Und natürlich haben die "Haushälterinnen" massenhaft Neugeborene erstickt. Die Mordwaffen wurden dann als Mahnung in der Kirche ausgestellt.
In der Kirche von Eidsborg haben sich einige katholische Bräuche besonders lange gehalten. Seit dem Mittelalter bis ins 19. Jhd. gab es dort eine Statue des Hl. Nikolaus ("Nikuls"), deren Kondenzwasser ("Manna") Krankheiten heilen konnte, wenn man die Statue drei mal um den nahen See trug und das Wasser in den Weiher kippte. Ausserdem wurde man von Schmerzen befreit, wenn man die Statue an die entsprechende Stelle schlug. Und in das Loch im Rücken konnte man dann Geld stopfen.
Nach einer Weile wurde Norwegen reformiert, was den Leuten gar nicht gefallen hat. Der Gottesdienst dauerte statt 30 Minuten jetzt über zwei Stunden, und man konnte nicht mehr träumen oder seine eigenen Gebete sprechen, sondern musste still stehen und zuhören. Unverständliches Latein wurde durch unverständliches Dänisch ersetzt. Das Anbeten von Heiligen war verboten und wurde mit Scheiterhaufen bestraft, und als dann irgendwann auch noch der Pietismus kam, durften Besoffene nicht mehr heiraten (man musste nüchtern sein), und der Alkohol wurde von den kirchlichen Festen verbannt. Das hat den Leuten gar nicht gefallen. Aber da es kaum Pfarrer gab (die dann vielleicht mal so alle drei Monate in der Kirche waren), hat man seine eigenen Feste abgehalten, mit katholischer Magie, massenhaft Alkohol, Trommeln und Tanz. Das Singen war übrigens Männersache, weil nur diese besoffen genug waren, um sich nicht zu schämen. Oft sind die Leute auch einfach draussen vor der Kirche gesessen und haben getrunken, während der Pfarrer drinnen predigte.
Das waren die eher amüsanten Fakten. Die Deprimierenden erspare ich euch heute.
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